Freizeitarbeit soll auch Freude machen

 

Rolf Böni ist es gewohnt, reizvolle Unternehmungen zu planen und umzusetzen. Was er gerne mal besichtigen möchte, das plant, organisiert und unternimmt er heute für die Swissair Pensionierten unseres Vereins. 

 

Als Rolf Böni noch in der SR Technics im Kundendienst tätig war, organisierte er für seine Kunden von fremden Airlines interessante Ausflüge und Besichtigungen während der Standzeit, wo die Flugzeuge in den Hangars gewartet wurden. Zum Beispiel führte er seine Besucher von Ghana Airlines auf den Säntis, wo diese sich dort eine Schneeballschlacht lieferten; auch erfüllte er deren Wunsch, in einem Wald spazieren zu gehen, um das Rascheln der Herbstblätter zu erleben. Sie waren total begeistert!

 

Nach den anfänglichen Jahren als Swissair-Flugzeugmechaniker, wechselte Böni von der Werkstatt ins Büro der Triebwerkplanung, später zum Kundendienst, wo er für diverse Airlines verantwortlich für die Bewirtschaftung von Ersatzteilen und Triebwerken war. Während 27 Jahren war er im Kundendienst für Flugzeugüberholungen und Planung. Hier ging es um teure Aufträge für grosse Checks und ganze Flugzeugüberholungen. Zu seinen Kunden gehörten Airlines wie Thai International, China Eastern, Malaysia, KLM, Viasa, Ghana oder Garuda. Zu Verhandlungen musste er oft zu diesen Kunden ins Ausland reisen. Das gefiel ihm sehr, speziell auch, wenn es Spanisch oder Portugiesisch sprechende Kunden waren. Denn die ersten Lebensjahre verbrachte der kleine Rolf in Bogota, Kolumbien. Als er sechs Jahre alt war, zog die Schweizer Familie nach Sao Paulo, wo Rolf in die Primarschule ging. Spielend lernte er Spanisch und Portugiesisch. Obwohl seine Eltern in Brasilien blieben, musste er dann die Sekundarschule und Mechanikerlehre in der Schweiz absolvieren, um dann 1974 seine berufliche Karriere in der Swissair zu beginnen. Dank dieser Arbeitgeberin konnte er von den Flugvergünstigungen profitieren und immer auch seine Eltern in Brasilien besuchen. Später kam auch seine Frau Regine gerne nach Südamerika mit, und sie lernte fleissig Spanisch.

 

Alles andere als Ruhestand

 

Auch als Pensionierter fühlt sich Rolf Böni fit und unternehmungslustig. Jetzt hat er Zeit, das zu tun, was ihm auch Freude macht. So meldete er sich beim Präsidenten unserer Swissair Personalvereinigung und bot spontan seine Mitarbeit an. Seit ein paar Jahren ist er nun mit einem Vierer-Team für die Organisation und Durchführung von Kulturanlässen verantwortlich. Mit gleicher Begeisterung wie früher im Kundendienst, plant, rekognosziert und begleitet er PVSR-Mitglieder auf Ausflügen und Besichtigungen. Regine, seine Frau, ist immer auch mit dabei, fotografiert und schreibt dann meist einen Erlebnisbericht. Schön ist, dass er und sein Team (3 Frauen und 2 Männer) völlig frei eigene Ideen für Unternehmungen verwirklichen können. Die Anlässe sollen möglichst viele ansprechen und Freude machen. Zum Beispiel die Besichtigungen der Firmen Stadler Rail, Victorinox, das Dornier-Fliegermuseum in Friedrichshafen, die Fahrt mit der Dampfbahn auf die Furka oder der kürzliche Besuch im Kammertheater Seeb mit einer Komödien-Aufführung. In dieser Corona-Zeit ist allerdings nicht alles wie sonst abgelaufen. Viele Unternehmungen mussten annulliert werden. Zum Beispiel musste der Klauseranlass im letzten Winter noch am Vorabend abgesagt werden, weil der Kanton Glarus sehr kurzfristig alle Anlässe verboten hatte. Alle Angemeldeten dann noch am gleichen Abend telefonisch zu kontaktieren, war mehr als stressig. – Böni investiert etwa einen Tag pro Woche für diese unbezahlte Arbeit. Sein Lohn ist der Dank und die Zufriedenheit der Teilnehmenden.

 

Eisenbahnen begeistern den Technik-Interessierten sehr.  Er hat den Narren an der Furka-Dampfbahn gefressen und arbeitet dort in allen Sparten voll mit, um einen einwandfreien Betrieb zu ermöglichen. Zudem baut er in seinem Haus ständig an seiner grossen Modelleisenbahnanlage weiter. Sogar in Bönis Ferienwohnung in Klosters steht eine Modelleisenbahn, für alle Fälle, wenn schlechtes Wetter das Wandern oder andere sportliche Aktivitäten verhindert.

 

Nach wie vor verfolgt Rolf Böni interessiert, wie sich die Fliegerei weiterentwickelt. Erstaunlich ist, dass er ein umfassendes Buch über die ehemalige Fluggesellschaft Varig in Portugiesisch, Deutsch und Englisch verfasste, da konnte er seine Sprachkenntnisse voll einfliessen lassen. Das Buch zeigt natürlich auch seine Affinität zu Brasilien und der Fliegerei. Wegen Finanzierungsfragen konnte das Buch bis heute noch nicht veröffentlicht werden. Ironie der Geschichte, auch Varig hatte, wie Swissair, ihr Grounding und ging 2006 bankrott. Für lächerliche 24 Millionen Dollar wurde Varig, das nationale Symbol Brasiliens, an ein Investoren-Konsortium verschachert.

 

News 2021-3